Die Entmündigung muss aufhören

GESUNDHEITSREFORM IN DER FDP-KRITIK / DR. SCHILY: DIE FREIHEIT NICHT UMGEHEN

pol_biss_schily26Huckelrieden (hg) - Die Gewinner des immer komplizierter werdenden Gesundheitssystems würden wie bei der Sozialen Sicherung die Kenntnisreichen. Solche Besserstellungen in Verbindung mit Rechtsfragen treiben die Kosten und brächten Ärzte und Krankenhäuser in ein Zwangskorsett. Dr. Konrad Schily, Gesundheitsexperte der FDP - Bundestagsfraktion, leuchtete beim ersten Termin der neuen Veranstaltungsreihe des FDP-Kreisverbandes Cloppenburg „Politik mit Biss“ in der ehemaligen Remise des Friedhoffschen Hofes in Huckelrieden die Mängel und Fehler des Gesundheitssystems sehr detailliert aus.

Der Start 2009 sei klar: einheitlicher Beitragssatz in der Krankenversicherung von mindestens 15,8 % fließt in ein fiktives gemeinsames Konto, für das ein morbitätsorientierter Risikostrukturausgleich Anwendung finde. Keine Krankenkasse, die einen Zusatzbeitrag von ein Prozent des Familieneinkommens erheben könne oder auch in Konkurs gehen könne, kenne ganz genau die Auswirkungen, die Fahndung nach Kranken, für die es mehr Geld gebe, sei Zeichen der Entwicklung.

Dr. Schily, einst Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, verglich das neue System – „ausgerechnet zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls“ – der einheitlichen staatlich administrierten Gesundheitsreform mit dem sozialistischem Sozialsystem der DDR.

Der Schily-Blick lobte Ludwig Erhard, der das Soziale einst nicht überstrapazieren wollte, dessen „Maßhalten“ - Appell nicht beachtet wurde, der die Rente zu Lasten künftiger Generationen ebenso ablehnte wie die einheitliche Ärzteorganisation.

Dr. Schily sah das jetzige FDP-System in der Tradition der Erhard-Forderungen: kein Zwang für ein System; eine Vielzahl von Lösungen, die nur die Basis absichere, Rechnungen an Patienten, die dann überprüfen könnten, ob die mehrfache Frage nach einem Termin als intensive Beratung berechnet wurde; kurzum: „Die Entmündigung muss aufhören“. Der Weg müsse zurückführen in ein freies und soziales System. Nicht in der Gleichheit und der Einheitlichkeit sei das Soziale, das unter Umgehung der Freiheit nie erreichbar sei, verborgen.

Peter Friedhoff, FDP-Kreisvorsitzender, war zufrieden mit dem Besuch der ersten Veranstaltung der neuen Reihe. Unter den Besuchern waren auch einige Ärzte und Apotheker, die sich sehr kritisch mit den Ausformungen der neuen Gesundheitsreform auseinander setzten.